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Betriebliche Altersversorgung als Bindungsinstrument: Chance für mittelständische Unternehmen

Wer im Alter auf Urlaub und gelegentliche Extras nicht verzichten will, braucht mehr Geld, als die meisten denken. Auszugehen ist von mindestens 75 % des letzten Nettoeinkommens. Angesichts der Senkung des gesetzlichen Rentenniveaus und unter Beachtung der durchschnittlichen Inflationsrate tun sich Rentenlücken auf. Diese betragen bei heute 40-jährigen Normalverdienern etwa 1.600,00 € monatlich, bei gleichaltrigen Gutverdienern etwa 3.000,00 €. Dies lässt sich über verschiedene Rentenlückenrechner im Internet unschwer nachvollziehen.

Wie ist diese Rentenlücke angesichts des derzeitigen Niedrigzinses und des politischen Umfeldes zu schließen? Langjährige Versorgungsformen, wie etwa die klassische Lebensversicherung, stehen unter Druck. Die Politik redet von ihr selbst eingeführte Sparformen wie die Riesterrente schlecht. Die EZB versucht mit allen Mitteln, den Menschen das Sparen abzugewöhnen und sie zum Konsum zu zwingen. Also: Riesterpanik, Rentenstreit und Nullzinsen: Wer heute fürs Alter sparen will, wird immer mehr verunsichert und verwirrt. Immerhin 40 % aller deutschen Haushalte sorgen überhaupt nicht mehr privat für ihre Rente vor. Grund hierfür sind häufig nicht die fehlenden Mittel, sondern die fehlende Orientierung.

Hier liegt eine große Chance für mittelständische Arbeitgeber: Die Betriebsrente auch über Entgeltumwandlung wird zunehmend zu einem geschätzten Bindungsinstrument. Sie bietet dem Arbeitgeber Gelegenheit, im Wettbewerb um Fach- und Führungskräfte zu punkten. Zwar steht auch die Betriebsrente unter Druck. Die von Versorgungsträgern angebotenen Direktversicherungen oder Pensionskassen leiden ebenfalls unter den Niedrigzinsen. Für Geringverdiener wird behauptet, dass diese später ohnehin Grundsicherung erhielten und daher eigenständiges Vorsorgen nicht erforderlich sei. Schließlich seien auf die Betriebsrenten bei Auszahlung Steuern und Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge zu zahlen.

Bei der betrieblichen Altersversorgung ist der Zins aber nur ein Teil der Rendite. Zudem bilden die Steuer- und Sozialversicherungsfreiheit während des Ansparens zwei weitere Renditehebel. Gewährt der Arbeitgeber selbst noch einen Zuschuss, den er beispielsweise aus eigenen Sozialversicherungsersparnissen bezahlt, kommt ein vierter Renditehebel hinzu. Selbst im Niedrigzinsumfeld lassen sich so attraktive Ergebnisse erzielen. Bezogen auf den Nettoeinsatz bietet die betriebliche Altersversorgung derzeit nicht schlagbare Renditen. Diese kann der Arbeitnehmer privat nicht erzielen. Dies gilt selbst dann, wenn die Steuer- und Sozialversicherungspflicht während der späteren Auszahlung berücksichtigt wird.

Neben diesen objektiven Vorteilen der Betriebsrente zählt aber noch etwas anderes: Tue Gutes und rede darüber. Zu einem echten Bindungsinstrument kann die Betriebsrente nur mit einer aktiven Kommunikation werden. Eine breit angelegte Studie der internationalen Wirtschaftsberatungsgesellschaft PWC hat jüngst erneut herausgearbeitet, dass die größten Missverständnisse im Bereich der betrieblichen Altersversorgung durch fehlende Kommunikation entstehen. Die Geldanlage und die private Vorsorge sind unbequeme und schwierige Themen. Viele Arbeitnehmer meiden sie daher solange, bis es zu spät ist. Durch ein neutrales Beratungsangebot kann der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern hier einen echten Mehrwert schaffen. Das gilt ganz besonders auch für die Führungskräfte eines Unternehmens.

Gerade mittelständische Unternehmen, die mit den üblichen Lohn- und Sozialleistungen größerer Konzerne nicht mithalten können, bietet die betriebliche Altersversorgung die Möglichkeit, individuell auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter einzugehen. Diesen Vorteil sollte sich kein Arbeitgeber entgehen lassen. In Zeiten, in denen die Politik selbst erhebliche Unsicherheit in Bezug auf die gesetzliche Rente und die private Altersvorsorge schürt, kann er seinen Mitarbeitern ein berechtigtes Gefühl der Sicherheit und Stabilität geben.


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